Kampf um die besten Köpfe
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Mensch und Arbeit | 14.04.2017

Im Wettbewerb um die besten Köpfe am Arbeitsmarkt, werden Unternehmer und HR-Abteilungen täglich gefordert! Der Recruitingexperte und Unternehmensberater Georg Thanner, Bsc. (best4best Unternehmens- & Personalentwicklung KG) im Interview, über die komplexe und aufwändige Suche nach dem Top-Mitarbeiter oder der Top-Mitarbeiterin!

Gasparik (BComplete): „Sehr geehrter Herr Thanner. Viele Vorstandschefs beklagen: Sie finden nicht genügend qualifizierte Arbeitskräfte, um ihre Geschäftsstrategie umzusetzen. Andererseits hört Mann oder Frau häufig in den Medien, dass die Arbeitslosenquote in der EU z.B. in Deutschland oder Österreich hoch ist. Bereits Menschen mit sehr guter Ausbildung  - wie Akademiker  - sind von der angespannten Lage am Arbeitsmarkt betroffen Wie kommt es, Ihrer Einschätzung nach, zu diesem Gap zwischen arbeitswilligen BewerberInnen und Unternehmen, welche dringend Personal suchen?“

Thanner (best4best): „Im Grunde ist es eine Sache von Angebot und Nachfrage: In einigen Branchen, wie etwa der IT Branche, ist es wirklich extrem schwierig Top-Leute zu finden. Die wenigen heiß umworbenen Spezialisten, können sich die Jobs regelrecht aussuchen. Natürlich sind die richtige Talentmanagement-Strategie, das Image des Unternehmens, das angebotene Gehalt und Benefits wichtige Faktoren, um als Firma exzellente Mitarbeiter anzusprechen. Häufig fallen auch Weiterbildungs- und Aufstiegschancen oder flexible Arbeitszeitgestaltung stärker ins Gewicht als angenommen.

Nicht zu vergessen, andere Umstände, welche den Prozess der Personalsuche enorm beeinflussen können: in Österreich beispielsweise ist mir aufgefallen, da sind die Menschen eher nicht so mobil. Sie wollen keine längeren Wegstrecken zur Arbeitsstätte in Kauf nehmen und sind weniger bereit, etwa für einen Top-Job, das Land zu verlassen oder zu übersiedeln. Ganz anders die Amerikaner, welche sogar einen Umzug in Kauf nehmen, auch die Deutschen sind da flexibler. Auch die Arbeitsraum-Gestaltung wird immer wichtiger und der „Spirit“ welcher dadurch im jeweiligen Unternehmen vorherrscht. Es gibt Menschen, die möchten, zum Beispiel, nicht in einem lauten Großraumbüro arbeiten.

Dann muss ich sagen, sind Sprachkenntnisse wesentlich, also ich meine hier die jeweilige Unternehmenssprache. Bei vielen fachlich sehr gut geeigneten, aber nicht Deutsch sprechenden KandidatInnen, sind beispielsweise mangelnde Kenntnisse der jeweiligen Landessprache bzw. der Unternehmenssprache leider der „Hemmschuh“. Unternehmen können heutzutage nicht mehr zeitliche oder personelle Ressourcen aufbringen, um die Mitarbeiter dahingehend zu schulen.

Akademiker haben natürlich immer noch gute Aussichten am Arbeitsmarkt, doch ein gewisser Realismus ist angesagt. Gut ausgebildeten HochschulabsolventInnen mit Mindeststudiendauer, fehlt es beim Berufseintritt meistens an einschlägiger Praxis und Arbeitserfahrung und den notwendigen „Ecken und Kanten“. Unternehmer geben dann  - meiner Erfahrung nach -  beispielsweise der HTL-Fachkraft mit Praxiserfahrung den Vorzug.

Gasparik (BComplete): „In dem Expertennetzwerk, dem Sie auch angehören, (best4best Unternehmens- & Personalentwicklung KG), sind Sie u.a. spezialisiert auf passgenaue Auswahlprozesse für Unternehmen. Das Zauberwort dafür heißt „Cultural Fit“. Was ist damit gemeint?“

Thanner (best4best): „Man sollte sich erstens vor Augen halten, dass die Suche nach geeigneten Mitarbeitern eine sehr zeit- und ressourcenintensive Angelegenheit für Unternehmen ist. Die Personal- und HR-Abteilungen haben mannigfaltige Aufgaben zu bewältigen, die Personalsuche ist „nur“ eine davon. Bei der Auswahl geeigneter Mitarbeiter ist seitens der Personaler Experten-Know-How etwa punkto Recruiting gefragt, deshalb rate ich dazu, mit einer auf Headhunting spezialisierten Unternehmensberatung zusammen zu arbeiten.

Zweitens: Nach meiner Erfahrung wollen Unternehmer einen Pool an Mitarbeitern, welche unterschiedliche Stärken und Talente besitzen, gleichzeitig sollen diese Gemeinsamkeiten haben und zur „Unternehmenskultur“ passen. Gerade dies gewinnt heutzutage an Bedeutung! Wir verwenden hier das Konzept des „Cultural Fit“, um Unternehmen dahingehend optimal beraten zu können, den richtigen und passenden Mitarbeiter zu finden.

Beim „Cultural Fit“ geht es vor allem darum, dass wir herausfinden wollen passt die Persönlichkeit des Kandidaten oder der Kandidatin zum Unternehmen? Sind gewisse Merkmale vorhanden, auf welche die Firma besonderen Wert legt? Dazu ist im Vorfeld und während des Auswahlprozesses eine enge Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Unternehmen erforderlich. Überhaupt ist eine offene Kommunikation über die Erwartungen und die betrieblichen Gegebenheiten essenziell. Wir setzen uns mit den jeweiligen Fachabteilungen und Personalern zusammen. Natürlich reden wir  - mit Job-Bewerbern – wirklich Klartext. Ich frage dabei etwa nach den Zukunftsvorstellungen des Kandidaten, wenn diese nicht mit den Möglichkeiten der Position oder des Betriebes einhergehen, ist er oder sie nicht für die Position geeignet. Fehlbesetzungen sind immer ärgerlich und kosten zudem Geld. Dies möchten Unternehmen natürlich vermeiden. Letztendlich ist es auch eine Sache des Bauchgefühls ob der jeweilige Kandidat der Richtige ist.“

Gasparik (BComplete): „Haben große Konzerne mit viel Kapital Vorteile gegenüber Klein-.und Mittelständischen Unternehmen, in Bezug auf den „Kampf um die besten Köpfe?“

Thanner (best4best): „Das würde ich nicht sagen. Es kommt immer darauf an, was der jeweilige Top-Mitarbeiter möchte. Manche bevorzugen in kleineren familiär geführten Unternehmen zu arbeiten. Die Vorteile sind beispielsweise flache Hierarchien und die Möglichkeit mitzuentscheiden. Demgegenüber stehen dann die großen Konzerne, welche unter anderem mit vielen Benefits aufwarten können.“

Gasparik (BComplete): „Welche Bedeutung haben - Ihrer Ansicht nach – soziale Medien und Onlineportale wie Xing, Linkedlin für den Recruiting Prozess?“

Thanner (best4best): „Für Arbeitnehmer und Jobsuchende kann ein Profil in Xing oder Linkedlin durchaus hilfreich sein, sie werden von Headhuntern entdeckt und angeschrieben. Für Unternehmen sehe ich den Nutzen eher dahingehend, dass sich das Unternehmen präsentiert. Eine wirkliche Personalsuche über diese Kanäle würde ich nicht empfehlen.“

Georg Thanner, BSc gehört dem Berater und Experten Team von best4best an und war unter anderem IT-Consultant mit Schwerpunkt IT-Optimierung bei IBM. 

Interview durchgeführt am 10.04.2017 von: Mag. Nadja Gasparik (Marketing-und Onlineverantwortliche / BComplete).

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