"Sitzen ist das neue Rauchen" Gesundheitsbewusstsein am Arbeitsplatz
Zurück zur Übersicht

Wohlbefinden | 26.03.2018

Die Themenbereiche Gesundheit und Arbeitsplatz werden immer öfter in einen gemeinsamen Kontext gebracht, da immer mehr Menschen den Großteil ihrer Zeit sitzend am Arbeitsplatz verbringen. Als Folge dessen, wird ein gewisses Gesundheitsbewusstsein immer häufiger Thema in Unternehmen, aber auch ganze Länder oder auch Krankenkassen beschäftigen sich vermehrt mit dem Thema Bewegung im Alltag und am Arbeitsplatz. Krankenkassen beispielsweise veröffentlichen jährliche Bewegungsstudien und Deutschland hat 2002 die INQA, die Initiative Neue Qualität der Arbeit, ins Leben gerufen.

Dieser News – Beitrag hilft Ihnen, mehr Wissenswertes zu folgenden Themen zu erhalten:

  • Verbringen wir wirklich so viel Zeit in sitzender Position?
  • Welche negative Folgen kann dieser Sitz-Trend auch für Sie haben?
  • Welche der oft genannten Tipps um mehr Bewegung in Ihren Alltag zu bringen, könnten für Sie leicht umsetzbar sein? --> Diese Frage wird unter " Zwei bedeutsame Tipps um wieder mehr Schwung in Ihren Alltag zu bringen." beantwortet. 
  • Wer ist nun verantwortlich, dass Sie sich mehr bewegen können am Arbeitsplatz?

Verbringen WIR wirklich so viel Zeit in sitzender Position?

Um Ihr Bewusstsein für das Thema Sitzen zu schärfen, würde ich Sie gerne auf einen kurzen Exkurs in einen alltäglichen Tagesablauf eines durchschnittlichen berufstätigen Bürgers mitnehmen:


Beginn ab 07:00:

Zu Beginn Ihres Arbeitstages steht die Anreise in das Büro an, wobei Sie die Strecke zu Ihrem Büro mehrheitlich mit dem Auto oder der Bahn sitzend durchführen werden. -->0,5 Stunden

Arbeitsalltag ab 08:00:

Am Arbeitsort angekommen, verbringen Sie den Arbeitstag meist stundenlang sitzend vor dem Computer oder in Meetings. --> ungefähr 7,5 Stunden

Feierabend ab 17:00:

Nach Beendigung des Arbeitstages treten Sie Ihren Heimweg an, wobei dies, wie auch die Anreise, meist mit Ihrem Auto oder mit der Bahn im Sitzen geschieht. --> 0,5 Stunden

Nach 17:45:

Zu Hause angekommen, gibt es dann meist erstmal ein Abendessen, welches Sie natürlich auch wieder im Sitzen zu sich nehmen. -->1 Stunde Nach dem Essen möchten Sie dann allfällige Unterhaltungsprogramme (Fernsehnachrichten/Netflix/Sportübertragungen usw.) konsumieren, wobei Sie auch das überwiegend sitzend vor dem Fernseher oder dem Computerbildschirm machen. --> 1 Stunde


Aufsummiert ergibt das 10,5 Stunden die Sie an einem normalen Arbeitstag sitzend verbringen. Natürlich sind diese Zahlen nur Schätzungen, jedoch bin ich mir sicher, dass Sie auf eine ähnliche Zahl kommen wenn Sie Ihren Arbeitstag analysieren. Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass der Alltag von vielen Deutschen, Sie sind somit nicht alleine, durch eine bestimmte Sache sehr intensiv geprägt wird, nämlich dem Sitzen.

Um Ihnen die Frage, ob wir Deutsche wirklich so viel sitzen, noch genauer zu beantworten, werde ich Ihnen einen kurzen Einblick in bereits vorhandene Studienergebnisse geben:

Laut der AOK Krankenkasse beispielsweise, verbringen alleine in Deutschland täglich bis zu 17 Millionen Menschen 85 Prozent ihrer Arbeitszeit sitzend und führen somit keine bewegliche Abwechslung durch. „Das Land sitzt“, mit dieser markanten Bemerkung beginnt das Kapitel „Sitzplatzgarantie“ der Bewegungsstudie der Techniker Krankenkasse (TK). Dieser Abschnitt der Studie beschäftigt sich genauer mit der neuen Volkskrankheit Sitzen. Die TK versucht den Zustand mit ihrer Bewegungsstudie „Beweg Dich, Deutschland.“, nochmals in Zahlen zu fassen. Demnach verbringt ein Durchschnittsdeutscher täglich 6,5 Stunden in sitzender Position, wobei sogar jeder Vierter (also 25%) mehr als neun Stunden am Tag sitzt.


Welche negativen Folgen kann dieser Sitz-Trend auch für Sie haben?


  • Die erste logische Konsequenz, ist die drastische Reduktion der Bewegung, egal ob zu Hause oder am Arbeitsplatz
  • Die häufige bequeme Sitzhaltung am Arbeitsplatz, führt zur Erschlaffung der Bauchmuskulatur, was wiederum die Neigung zur Formung eines Rundrückens steigert.
  • Weiterführend erhöht die Bildung von einem Rundrücken die Chance einer ungleichmäßigen Belastung der Bandscheibe, was eine unzulängliche Nährstoffzufuhr nach sich zieht.
  • Innere Organe werden eingeklemmt, wobei vor allem Atmung, aber auch die Verdauung davon betroffen sind.
  • Infolge dessen kommt es zu einer schlechten Durchblutung der Muskulatur, wobei diese oftmals zu Muskelverspannungen führt.
  • Das geringe Ausmaß an Bewegung führt auch zu einer Rückbildung der Muskulatur, was wiederum zu vermehrten Erkrankungen des Muskel–Skelett–Systems führt.
  • Weiterführend wird dadurch auch unser Herz–Kreislauf–System wenig bis nicht ausreichend trainiert und gestärkt.

Die ersten drei angeführten Punkte führen zu Erkrankungen des Bewegungsapparates, wobei in diesem Fall der Rücken sehr stark betroffen ist. Die oben angeführte Studie der TK hat ergeben, dass beinahe jeder dritte Erwachsene in Deutschland ständig oder oft unter Rückenbeschwerden leidet.

Was jedoch noch schlimmer wiegt ist der Zustand, dass zwei von drei Personen (67 Prozent der Bevölkerung) hierzulande bereits in irgendeiner Form Rückenbeschwerlichkeiten erfahren mussten. Diese Störungen werden nicht nur mehr durch körperlich sehr anspruchsvolle Arbeiten (z.B.: Maurer) hervorgerufen, sondern sind immer mehr auf den Bewegungsmangel, vor allem am Arbeitsplatz, zurückzuführen.

Ungefähr 23 Prozent aller krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeitstage finden ihren Ursprung in den oben angeführten Gründen (Wissenschaftliches Institut der AOK WIdO), wobei dies den Höchstwert in der Arbeitsunfähigkeitsstatistik bedeutet.                                                                             Dieser Aspekt könnte Ihnen helfen um sich auch bei Ihrem Arbeitgeber ein Gehör zu verschaffen.



Zwei bedeutsame Tipps um wieder mehr Schwung in Ihren Alltag zu bringen.


1. Praktische Empfehlungen, die sich schnell und gut in Ihren Arbeitsalltag einbinden lassen:

  • Führen Sie Ihre Telefonate immer stehend/gehend!
  • Nehmen Sie die Treppe statt dem Aufzug oder der Rolltreppe!
  • Gehen Sie nach längerer Zeit - wirklich bewusst - in Ihrem Büro auf und ab!
  • Ändern Sie Ihre Haltung beim Sitzen öfters und strecken Sie sich von Zeit zu Zeit!
  • Stehen Sie auf, um sich beispielsweise Wasser zu holen (keine Wasserkaraffe am Platz)!
  • Halten Sie kurze oder auch etwas längere Besprechungen auch mal im Stehen oder Gehen ab!
  • Nutzen Sie die Mittagspause um einen Spaziergang einzulegen, wobei sich das perfekt mit dem Essenholen verbinden lässt!
  • Persönlich statt Mail --> Anstatt eine Mail zu verfassen, suchen Sie doch Ihren Kollegen direkt auf und teilen Sie ihm Ihr Anliegen mit!

"Dabei ist gerade die Bewegung die einzige Universalmedizin, die wir heute kennen", schreibt Professor Dr. Jan Mayer in seinem Vorwort zur Bewegungsstudie und stellt somit die Wichtigkeit von Bewegung ganz klar in den Vordergrund. 


2. Stehen statt Sitzen --> Versuchen Sie einen Teil Ihrer Arbeitszeit auch stehend zu gestalten!

Für einen regen und produktiven Geist ist es notwendig die Position und die eingenommene Haltung am Arbeitsplatz des Öfteren zu ändern. Da es Ihnen aufgrund von gewissen Organisationserfordernissen sicherlich nicht immer möglich sein wird mehr Bewegung in Ihren Arbeitsalltag zu mischen, stellt Stehen eine beliebte Alternative dar. 

Experten empfehlen deshalb die Haltung am Arbeitsort nach folgendem Schlüssel aufzuteilen:



Sitzen

Stehen

Bewegung

Verteilung_1

60%

30%

10%

Verteilung_2

50%

25%

25%


Um die ermüdende Zeit in der Sie am Schreibtisch sitzen müssen zu reduzieren, benötigt es nun eine einfache Möglichkeit die in der Tabelle angeführte Empfehlungen umzusetzen. Ein elektronisch höhenverstellbarer Schreibtisch stellt sicherlich die beste Lösung dar. Wieso? Weil er Ihnen im Handumdrehen die Option bietet im Stehen Ihre Arbeit zu verrichten und Ihnen somit hilft Ihre Haltung und Ihre Konzentration zu verbessern.

"Dem Schreib- oder Computerarbeitstisch, der sich per Knopfdruck schnell und leicht auch in einen Steharbeitsplatz verwandeln lässt, gehört die Zukunft." (Hans-Dieter Kempf, seines Zeichen Gründer der Karlsruher Rückenschule und Sportwissenschaftler)


Wer ist nun verantwortlich, dass Sie sich mehr bewegen können am Arbeitsplatz?

Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Technischen Krankenkasse, sieht dringenden Handlungsbedarf: "Die Ergebnisse der Studie haben uns gezeigt, dass wir direkt dort ansetzen müssen, wo die Menschen ihren Alltag verbringen: in den Betrieben, in den Schulen, Kindergärten und Kommunen - sonst erreichen wir gerade diejenigen nicht, die die Unterstützung am nötigsten haben."

Das Bewusstsein für mehr Bewegung dürfte sich über die letzten Jahre gesteigert haben, denn immerhin sind schon mehr als 50 Prozent der Deutschen mit ihrem geringen Bewegungspensum im Alltag unzufrieden. Im Joballtag bedauern sogar bereits Zwei Drittel der sogenannten Vielsitzer den Bewegungsmangel mit dem sie täglich konfrontiert werden. Wie auch schon oben erwähnt, zeigt die Studie, dass Sie mit Ihrem Wunsch, mehr Bewegung in Ihren Büroalltag zu bringen, nicht alleine sind.

Schlussendlich kann festgehalten werden, dass immer mehr Unternehmen die Relevanz von Investitionen in die Mitarbeitergesundheit erkennen und immer weitere Firmen erkennen werden, da Krankenstände von Mitarbeiter eine sehr teure Angelegenheit sind. Durch oben angeführte beispielhafte Investition, können Ausfallszeiten in Unternehmen proaktiv entgegen getreten werden, wobei die Studie klarstellt, dass knappe 60 Prozent der Arbeitnehmer die Arbeitgeber in der Pflicht sehen diese Investitionen zu tätigen.

Frei nach dem Motto: „Wer sich fitte Mitarbeiter wünscht muss auch etwas dafür tun, zum Beispiel ausreichende Bewegungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz schaffen.“



Mehr Wissenswertes zum Thema:


  • AOK - Die Gesundheitskasse. „Sitzen – das neue Rauchen“  

Hier online abrufbar!

  • TK – Techniker Krankenkasse. „Beweg Dich, Deutschland! TK – Bewegungsstudie 2016“. 

Hier online abrufbar!

  • Apotheken Umschau: „So schädlich ist Sitzen“ 

Hier online abrufbar!

  • Süddeutsche Zeitung: "Die Deutschen bewegen sich immer weniger"

Hier online abrufbar!