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Interview mit Herrn Tom Beck, Experte für nachhaltige Unternehmensführung

Thema des Interviews:

„Demografische Entwicklung – Herausforderung für ein neues Jahrzehnt“

Wie bereits in unserem letzten Newsletter diskutiert: Innovation und Kreativität sind momentan die meist gehandelten Stichwörter die speziell Klein- und Mittelbetrieben Robustheit, Zukunftsfähigkeit und dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit versprechen. Sie werden als Erfolgsfaktoren für eine zukunftsfähige Wirtschaft gesehen.

Nun stellt sich die Frage wie ein starkes Unternehmen der Zukunft organisiert sein soll? Welchen Einfluss hat die Entwicklung unserer Bevölkerung auf die Zukunftsfähigkeit von Klein- und Mittelbetrieben?

 

Hr. Beck, wie sehen Sie persönlich die zukünftige Entwicklung unserer Bevölkerung? Besteht Ihrer Meinung nach, schon heute in einzelnen Regionen und Unternehmen dringender Handlungsbedarf?

T. Beck: Unsere Bevölkerung entwickelt und wandelt sich stetig – demografischen Wandel gab es in der Vergangenheit und wird es auch in Zukunft immer geben. Wenn sich aber eine Gesellschaftsgruppe, wie wir in Europa, populationsmäßig degeneriert dann ist das ein ganz klares Zeichen des Wandels unserer Gesellschaft. Damit muss die Wirtschaft, die ein Aspekt der Gesellschaft ist, umgehen können. Der Trend des Geburtenrückgangs ist aus meiner Sicht eine „Wohlstandskrankheit“. Wir haben Eigeninteresse und individuellen Lebensstil oft über das Gesamtwohl der Generationen gestellt.

Wichtig für Unternehmen der Zukunft ist die Erkenntnis, dass die Bevölkerung sich stetig wandelt und entwickeln wird. Die Demografie formt die Unternehmen und das Unternehmen kann die Demografie nicht kontrollieren oder beeinflussen.

 

Welche Auswirkung hat die demografische Entwicklung auf die zukünftigen Strukturen und Arbeitskonzepte eines Unternehmens?

T.Beck:Stagnierend starre Unternehmen, oft rein kostenorientiert werden in Zukunft nicht überlebensfähig sein. Diese Form von Unternehmen ist geprägt durch starre, fix fertige Konzepte und Strukturen. Wenn man in Zukunft mit dem Ziel arbeitet „alles soll gleich bleiben“ und man sich dann wundert, warum Menschen, wie zum Beispiel potenzielle Arbeitnehmer, da nicht mitspielen – dann hat man ein Problem. Ein Unternehmen ist kein fixes, starr gefertigtes Konstrukt sondern ein organisches Gebilde das aus Menschen besteht, die sich zusammentreffen und gemeinsamen Zielen nachgehen. Die organischen, lebendigen Unternehmensformen haben mit der Entwicklung unserer Bevölkerung kein Problem.

 

Der Nachwuchs an jungen Talenten, so genannte High-Potentials, wird knapper. Wie können speziell Klein- und Mittelbetriebe ihre langfristige Attraktivität als Arbeitgeber der Zukunft stärken?

T. Beck: Junge Talente haben andere Werte, andere Fähigkeiten und ein anderes Bewusstsein. Bei hoch qualifizierten, jungen Talenten stehen in Zukunft Mitgestaltungsmöglichkeiten, Individualentwicklung, Wertschätzung und Sinnerfüllung bei der Wahl der Arbeitgeber an oberster Stelle. Diese Generation strebt nach neuen Formen des Wirtschaftens, nach Wirtschaft der Freude. Erst an 3. oder 4. Stelle kommt die angemessene finanzielle Entlohnung.

 

Beim Übergang in die Wissensgesellschaft wird die streng hierarchische Organisation immer fragwürdiger. Kreativität gedeiht nun einmal nicht auf Befehl. Welche Organisationsstrukturen werden in Zukunft gebraucht?

T. Beck: Kreativität und Innovation entsteht aus meiner Sicht durch erlebte Beziehungen. Ich stelle die These auf, dass sich starke Unternehmen der Zukunft aus Berufungsgruppen bilden werden. Berufungsgruppen oder Berufungsgemeinschaften entstehen durch Menschen die gleiche Werte, Fähigkeiten und Interessen teilen. Diese Gemeinschaften besitzen ein hohes Maß an Sozialkapital und erlebte Solidarität. Sie nehmen Rücksicht auf Schwächere, bilden diese aus und tauschen Erfahrungen. Auf langfristige Sicht führen Berufungsgruppen hin zu einer selbstlernenden und selbstorganisierten Unternehmenskultur.

Wir gehen klar weg von dieser längst zu verabschiedenden patriarchalen Unternehmensführung. Eine Kultur in der oben bestimmt wird wie man unten zu sein hat - diese Zeit ist klar und deutlich vorbei.

Hierarchien wird es in unserer Gesellschaft immer geben. Starke Unternehmen der Zukunft werden natürlich geführt, strukturiert und organisiert. Aber nicht mehr nach dem Prinzip „oben sticht unten“ sondern stark nach dem Motto „die gemeinsame Aufgabe ist der alleinige Chef“. Starke Unternehmen der Zukunft basieren immer mehr auf kollektiven Entscheidungsprozessen. Kommunikation, Kooperation, Diskussion und Dialog führen zu gemeinsamen und nachhaltigen Entscheidungen. Die „Wir-Kultur“ wird in Zukunft unsere Entscheidungen stark prägen und prozessgetragene Strukturen entwickeln.

Alleinstehende und isolierte Entscheidungen werden in Zukunft immer weniger.

Die Eigentümer von Unternehmen müssen erkennen, dass das was sie tun und erwirtschaften eine Gemeinwohlleistung ist. Ein Unternehmen der Zukunft ist ein Platz wo Menschen, mit all ihren Potenzialen und Kräften, zusammenkommen um gemeinsame nachhaltige Lösungen entwickeln.

 

Lebenslanges Lernen und erworbenes Können veraltet nicht. Wie sehen Sie die Möglichkeit ältere Generationen aktive am Berufsleben teilnehmen zu lassen?

T. Beck: Immer mehr Menschen tun das was sie für sinnvoll erachten. Unser System muss Menschen schützen die nicht mehr erwerbstätig sein können (zB. durch Krankheit) aber gleichzeitig Menschen fördern und fordern ihrer Berufung nachzugehen und das zu tun was sie für sinnvoll erachten. Das ist die große Chance der Berufungsgemeinschaft – wir tun genau das was unserem Potenzial entspricht. Je angenehmer und sinnvoller eine Beschäftigung empfunden wird, desto größer ist das Interesse, sie lebenslang zu betreiben.

 

Die Kernkompetenz vieler Büros liegt immer weniger in der Technik allein und immer mehr in der Ermöglichung von Kommunikation und Kooperation. Für die Unternehmensverantwortlichen stellt sich deshalb die Aufgabe, das Büro neu zu definieren um das Beste aus den Mitarbeitern herauszulocken. Wie sehen Sie diesen Trend?

T. Beck: Die Büroraumaufteilung und -gestaltung folgt dem was im Unternehmen geschehen soll. Sie prägt die Kultur eines Unternehmens und kann kreative und kooperative Prozesse fördern und unterstützen. Wichtig sehe ich in Zukunft die Gestaltung von sozialen, lebendigen Räumen. Das sind Räume die ausgestattet sind mit flexiblen Elementen, die es mir ermöglichen ohne großen Aufwand Kommunikations- oder Kooperationsbereiche zusammenzustellen. Je nachdem welcher Aufgabe gerade nachgegangen werden soll. Das Büro der Zukunft wird sich nach den menschlichen Bedürfnissen - sozial und individuell - richten müssen. Eine Infrastruktur die sich gleichzeitig zum Arbeiten und Entspannen eignet.

Wichtig für starke Unternehmen der Zukunft werden bestimmte Fixpunkte sein. Fixpunkte können Prozesse oder Räume sein – der sogenannte Herzschlag eines Unternehmens. Diese Fixpunkte sind gekennzeichnet durch wiederkehrende, klar erkennbare und gelernte Rituale oder Treffpunkte. Fixpunkte geben Orientierung, Verlässlichkeit und fördern Verbundenheit im Unternehmen.

 

Thomas Andreas Beck, versteht sich als utopischer Realist, der als Berater und Coach in unterschiedlichen Projekten für eine Wirtschaft der Freude arbeitet. www.utopischerealisierungen.com

Das Interview fand im HUB VIENNA statt. Ein inspirierendes Paradebeispiel für die Arbeitsform der Zukunft. Das HUB VIENNA ist ein Arbeitsplatz welcher Raum für Ruhe, Kreativität, Innovation und individuelle Arbeit bietet und gleichzeitig Platz für Events oder Workshops einbindet. Die Mitglieder des Hub Vienna arbeiten an innovativen Ideen, die soziale, kulturelle und ökologische Herausforderungen adressieren.

Details und Infos zum HUB VIENNA finden Sie unter http://vienna.the-hub.net/public/

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